Maxime Saada, der Präsident des französischen Senders Canal+, hat eine nüchterne Bewertung von Ligue 1+, dem von der Ligue de Football Professionnel (LFP) gestarteten Kanal, abgegeben. In einem ausführlichen Interview mit L'Équipe charakterisierte Saada die erste Saison des Kanals als gemischt und erklärte ihn zu einem „Start-Erfolg“ und einem „redaktionellen Erfolg“, letztendlich aber zu einem „wirtschaftlichen Scheitern“.
Der Kern von Saadas Kritik konzentriert sich auf das Finanzmodell. Er wies darauf hin, dass etwa 120 Millionen Euro an Einnahmen aus nationalen Fernsehrechten an die Vereine umverteilt werden sollen. Er argumentierte jedoch, dass der tatsächliche Marktwert, wie die eigene Leistung von Ligue 1+ zeige, deutlich niedriger sei. Saada stützte dies auf die Abonnentenbasis des Kanals, die er auf etwa eine Million schätzte, mit einem durchschnittlichen Umsatz pro Nutzer zwischen 10 und 12 Euro pro Monat.
Nach Abzug aller Provisionen und Steuern berechnete Saada, dass dieses Abonnentenmodell jährlich etwas mehr als 100 Millionen Euro generiert. „Heute ist der Wert, den LFP Media mit Ligue 1+ zugewiesen hat, dieser“, erklärte er und deutete an, dass der Direktvertrieb des Kanals die Marktbewertung für die Rechte am französischen Spitzenfußball effektiv zurückgesetzt habe.
Trotz der kritischen wirtschaftlichen Aussichten verschloss Saada die Tür zur Zusammenarbeit nicht. Er öffnete ausdrücklich die Möglichkeit für Canal+, Ligue 1+ über seine Plattform zu vertreiben. Entscheidend schlug er vor, dass diese Partnerschaft ohne garantierte Mindestzahlung an die LFP arbeiten und stattdessen einem „klassischen Umsatzbeteiligungsmodell“ folgen würde. Dies würde das finanzielle Risiko von Canal+ weg und auf die Leistung der Liga bei der Gewinnung und Bindung von Abonnenten verlagern.
Für die Zukunft hob Saada eine potenzielle Verwundbarkeit für Ligue 1+ während der bevorstehenden Sommerpause hervor. Er sagte voraus, dass der Kanal während dieser Zeit ohne Live-Spiele „sicherlich Abonnenten verlieren“ würde. Um beim Start der neuen Ligue 1-Saison ein starkes Wachstum zu erzielen, argumentierte Saada, dass der Kanal jeden erdenklichen Vorteil nutzen müsse.
In diesem Kontext saisonaler Abonnentenfluktuation und der Notwendigkeit eines Marketing-Schubs positionierte Saada Canal+ als wertvollen Verbündeten. „In diesen Momenten kann Canal ein nützlicher, ja sogar kostbarer Partner sein“, bemerkte er und rahmte den etablierten Pay-TV-Riesen als Lösung für die Bindungsherausforderungen des jungen Kanals ein.
Die Kommentare kommen, wenn nur noch zwei Spieltage in der aktuellen Ligue 1-Saison verbleiben, was das Ende des Gründungsjahres von Ligue 1+ markiert. Saadas öffentliche Kritik und das bedingte Partnerschaftsangebot stellen einen bedeutenden Schritt in den laufenden Verhandlungen über die zukünftige kommerzielle Struktur der Übertragungsrechte des französischen Fußballs dar.
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