In einem bedeutenden diplomatischen Treffen hielt der brasilianische Präsident Luiz Inácio Lula da Silva am 7. Mai 2026 ein längeres Gespräch mit US-Präsident Donald Trump im Weißen Haus. Der Gipfel, der etwa drei Stunden dauerte, war geprägt von einer bemerkenswerten Änderung des Protokolls und einer abgesagten Pressekonferenz, was die komplexe Dynamik zwischen den beiden Führern unterstreicht.
Das Treffen begann mit der Ankunft von Präsident Lula im Weißen Haus gegen 12:20 Uhr brasilianischer Zeit, wo er von Präsident Trump in der offiziellen Residenz begrüßt wurde. Die beiden Führer tauschten Begrüßungen aus, bevor sie zur Tagesordnung übergingen. Die brasilianische Delegation umfasste Schlüsselminister wie Márcio Rosa für Entwicklung, Industrie, Handel und Dienstleistungen, Alexandre Silveira für Bergbau und Energie, Dario Durigan für Finanzen, Wellington César für Justiz und öffentliche Sicherheit sowie Außenminister Mauro Vieira. Auf US-Seite waren Vizepräsident J.D. Vance, Stabschefin Susie Wiles, Handelsminister Howard Lutnick, Finanzminister Scott Bessent und Handelsbeauftragter Jamieson Greer vertreten.
Eine bemerkenswerte Änderung gegenüber dem ursprünglichen Zeitplan war die Entscheidung, die geschlossene Sitzung vor jedem Kontakt mit der Presse abzuhalten. Diese Anpassung erfolgte Berichten zufolge auf Wunsch der brasilianischen Delegation, basierend auf Erfahrungen aus Lulas vorherigem Treffen mit Trump in Malaysia im Oktober des Vorjahres. Bei diesem Treffen führte die Pressekonferenz vor den offiziellen Gesprächen zu unangenehmen Momenten, als Präsident Lula Unbehagen äußerte und unterbrach, um vorzuschlagen, zunächst das Treffen abzuhalten, um Substanz zu haben.
Der Kern des Gipfels konzentrierte sich auf bilaterale Handelsfragen, insbesondere auf Zölle. Präsident Trump bezeichnete das Treffen später auf seiner Plattform Truth Social als "sehr produktiv" und lobte Präsident Lula als "dynamisch". Er stellte fest, dass die Diskussionen verschiedene Themen, einschließlich Handel und Zölle, abdeckten, und kündigte an, dass Vertreter beider Nationen weitere Treffen planen würden, um wichtige Punkte der bilateralen Agenda zu behandeln.
Im Anschluss an ihr Einzelgespräch führte Präsident Trump Präsident Lula kurz durch das Äußere des Weißen Hauses, wo Porträts aller US-Präsidenten ausgestellt sind. Fotos von diesem Moment zeigten die beiden Führer, die vor den Porträts lachten, was auf eine herzliche Atmosphäre trotz ihrer unterschiedlichen politischen Positionen hindeutet.
Anschließend gingen die Führer zu einem Mittagessen über. Das Menu umfasste eine Vorspeise aus Römersalatsalat mit Jicama, Orangenstücken und Avocado mit Zitrusdressing, gefolgt von einem Hauptgericht aus gegrilltem Steak mit schwarzem Bohnenpüree, kleinen süßen Paprikaschoten und Rettich-Relish mit Ananas. Zum Nachtisch gab es karamellisierte Pfirsiche und Panna-Cotta-Tarte mit Honig, begleitet von Crème-fraîche-Eiscreme.
Nach dem Essen wurde eine gemeinsame Pressekonferenz, die im Oval Office stattfinden sollte, abrupt abgesagt. Weder das Weiße Haus noch der brasilianische Präsidentenpalast nannten einen Grund für die Absage. Präsident Lula wird nun erwartet, dass er sich im brasilianischen Botschaftsgebäude in Washington an Journalisten wendet.
Die brasilianische Delegation ging mit zwei Hauptzielen in den Gipfel: die Verhängung neuer Zölle auf brasilianische Produkte zu verhindern und eine Form der Partnerschaft bei der Bekämpfung der organisierten Kriminalität zu sichern. Die Beamten hatten einen neuen Plan gegen Geldwäsche und Waffenhandel vorbereitet, der von technischen Teams des Außenministeriums, des Ministeriums für Justiz und öffentliche Sicherheit, des Finanzministeriums und der Bundessteuerbehörde entwickelt wurde.
Ein heikles Thema auf der Tagesordnung war die mögliche Einstufung brasilianischer krimineller Gruppierungen wie des Primeiro Comando da Capital (PCC) und des Comando Vermelho (CV) als terroristische Organisationen durch die USA. Diese Besorgnis wurde durch die jüngste Veröffentlichung der neuen US-Terrorismusbekämpfungsstrategie verstärkt, die Drogenkartelle über Dschihadistenmilizen stellt. Die brasilianische Regierung befürchtete, dass eine solche Einstufung die Tür für US-Interventionen auf brasilianischem Boden öffnen könnte, ähnlich wie bei Maßnahmen gegen venezolanische Schiffe im Vorjahr.
Aus US-Perspektive stimmten die Interessen von Präsident Trump in einigen Bereichen mit denen Brasiliens überein. Die USA streben eine Senkung der Fleischpreise an, und Brasilien ist ein wichtiger globaler Produzent. Darüber hinaus wünschen sich die USA privilegierten Zugang zu Brasiliens Reserven an kritischen Mineralien, insbesondere Seltenen Erden, die für die Energiewende und die Hightech-Fertigung unerlässlich sind. Analysten wiesen jedoch auf potenzielle Divergenzen hin, da die brasilianische Regierung erklärt hat, sie wolle nicht zu einem exklusiven Lieferanten für ein einzelnes Land werden.
Das Treffen hatte auch symbolisches Gewicht für Präsident Trump, da es ihm eine Gelegenheit bot, seine internationale Führungsrolle angesichts anhaltender globaler Herausforderungen zu stärken. Für Präsident Lula war die Begegnung eine Gelegenheit, direkt mit der US-Regierung in Kontakt zu treten und möglicherweise den Einfluss der in den USA ansässigen Bolsonarista-Fraktion zu verringern, die für die Beeinflussung früherer US-Zollmaßnahmen gegen Brasilien verantwortlich gemacht wird.
Basierend auf Berichterstattung von g1.