Die Volkswagen Arena war am Donnerstagabend Schauplatz eines angespannten und umkämpften ersten Spiels der Bundesliga-Relegation, als der VfL Wolfsburg den SC Paderborn 07 empfing, beide Seiten sich der enormen Bedeutung bewusst. Wolfsburg, das nach einer enttäuschenden Saison um den Klassenerhalt kämpfte, ging als Favorit ins Spiel, wurde aber durch eine Kombination aus vergebenen Chancen und einer inspirierten Torwartleistung von Paderborns Jonas Seimen frustriert. Das torlose Unentschieden lässt die Entscheidung vor dem entscheidenden Rückspiel in Ostwestfalen offen, wo Paderborn nun einen knappen Vorteil hat.
Wolfsburgs Saison war von Turbulenzen und Untererfüllung geprägt. Nachdem die Wölfe die Bundesliga auf dem 16. Platz beendet hatten, entgingen sie dem direkten Abstieg nur knapp, indem sie Bochum in der Endtabelle hinter sich ließen. Trainer Ralph Hasenhüttl, in der Winterpause verpflichtet, um das Schiff zu stabilisieren, hatte Mühe, konstante Leistungen aus einem Kader zu holen, der über beträchtliches Talent verfügt. Das Versäumnis, den Klassenerhalt zu sichern, führte sie direkt in dieses Zwei-Spiele-Duell gegen den Drittplatzierten der 2. Bundesliga, eine Position, die sowohl historische Gefahr als auch Chance birgt.
Paderborn hingegen reiste voller Selbstvertrauen nach Niedersachsen, nach einer hervorragenden Saison unter Trainer Lukas Kwasniok. Der Verein, der zuletzt 2019/20 in der Bundesliga spielte, wurde Dritter in der zweiten Liga und sammelte beeindruckende 67 Punkte. Ihr Angriffsspiel, das auf schnellen Umschaltbewegungen und Standards aufbaut, hatte ihnen Anerkennung eingebracht, aber es war ihre defensive Widerstandsfähigkeit und die Form des 19-jährigen Torhüters Seimen, die sich in diesem ersten Spiel als entscheidend erweisen sollten.
Vom Anpfiff an versuchte Wolfsburg, seine Erstklassigkeit zu demonstrieren, dominierte den Ballbesitz und drängte Paderborn tief in die eigene Hälfte. Das hohe Pressing der Gastgeber erzwang mehrere frühe Ballverluste, und innerhalb der ersten 15 Minuten zwangen sie Seimen bereits zu einer starken Parade am kurzen Pfosten nach einem Schuss von Jonas Wind. Der Druck hielt an, als Wolfsburgs Schienenspieler hoch aufrückten und eine Flut von Flanken in den Strafraum schickten, aber Paderborns Dreierkette, angeführt von Kapitän Tobias Müller, stand fest und klärte immer wieder.
Die zentrale Erzählung der ersten Halbzeit wurde jedoch schnell die Heldentat von Seimen zwischen den Pfosten. Der junge Torhüter, ein Produkt der Paderborner Jugendakademie, zeigte eine Reihe herausragender Paraden, um sein Team im Spiel zu halten. In der 28. Minute lenkte er einen harten Schuss von Maximilian Arnold aus der Distanz akrobatisch über die Latte. Kurz darauf reagierte er instinktiv und kratzte einen abgefälschten Ball von der Linie, der scheinbar im unteren Eck gelandet wäre. Jede Aktion löste staunende Rufe der Heimfans aus und frustrierte sichtlich die Wolfsburger Angreifer.
Doch nicht nur Seimens Klasse hielt die Null; Wolfsburg trug durch pure Nachlässigkeit selbst zum eigenen Ungemach bei. Das krasseste Beispiel kam in der 37. Minute, als Stürmer Omar Daghim eine Chance vergab, die ihn verfolgen wird. Eine Kombination über die rechte Seite brachte Patrick Wimmer in Position, dessen präzise flache Hereingabe den völlig freistehenden Daghim sechs Meter vor dem Tor fand. Bei offenem Netz beförderte der Däne den Ball irgendwie mit der Außenseite des rechten Fußes am langen Pfosten vorbei. Es war ein Fehlschuss, der das Stadion in schockiertes Schweigen versetzte und Wolfsburgs Angriffsprobleme zusammenfasste.
„Diese vergebene Chance war der Wendepunkt in der ersten Halbzeit“, sagte ein sichtlich frustrierter Hasenhüttl nach dem Spiel. „Solche Chancen muss man in Spielen dieser Größenordnung nutzen. Wir haben genug herausgespielt, um zu gewinnen, aber wenn wir den Ball nicht ins Tor bringen, macht man es sich selbst schwer.“ Die psychologische Wirkung war sofort spürbar. Paderborn, das die Rettung spürte, begann an Selbstvertrauen zu gewinnen, und die Flüssigkeit der Gastgeber wich hektischem, ängstlichem Spiel, als die erste Halbzeit ohne Tor endete.
Die zweite Halbzeit folgte einem ähnlichen Muster, mit einer zusätzlichen Schicht Verzweiflung bei Wolfsburg. Hasenhüttl brachte frische Kräfte, schickte Jakub Kamiński und Tiago Tomás für mehr Durchschlagskraft. Der Druck verstärkte sich, Wolfsburg traf den Rahmen des Tores durch einen Bogenkopfball von Sebastiaan Bornauw, der die Latte touchierte. Dennoch wankte Paderborns Defensivorganisation nicht, und Seimen setzte seine Ein-Mann-Abwehr fort, fing Flanken souverän und glänzte in der 68. Minute mit einer Doppelparade, bei der er erst Wind und dann Tomás aus kürzester Distanz abwehrte.
Paderborns Spielplan war klar: Druck absorbieren, kontern und Standards nutzen. Fast gelang ihnen ein wertvolles Auswärtstor bei einem seltenen Vorstoß, als ein schneller Konter endete, und Felix Platte mit einem flachen Schuss Koen Casteels auf der anderen Seite zu einer guten Parade zwang. Die Warnsignale waren für Wolfsburg da: Ein einziges Paderborner Tor könnte die Entscheidung bringen, angesichts der Auswärtstorregel, die in der Relegation gilt.
Historisch gesehen hat die Bundesliga-Relegation bereits Dramatik und Herzschmerz hervorgebracht. Wolfsburg selbst war 2017 in eine zitterpartie verwickelt, als man Eintracht Braunschweig knapp mit 2:0 nach Hin- und Rückspiel bezwang, ein Ergebnis, das erst durch ein spätes Tor im Rückspiel gesichert wurde. Diese Erfahrung sollte als Warnung dienen: Ein torloses Heimspiel ist ein prekäres Ergebnis, da Paderborn im Rückspiel nur ein Unentschieden mit Toren oder einen Sieg braucht, um aufzusteigen. Der Spielraum für Fehler ist hauchdünn.
Im Hinblick auf das Rückspiel in der Benteler-Arena wird Paderborn durch die defensive Widerstandsfähigkeit und das Wissen gestärkt, dass sie bereits eine weiße Weste in Wolfsburgs „Festung“ bewahrt haben. Kwasniok wird seine Mannschaft zweifellos auffordern, vor heimischer Kulisse offensiver zu spielen, während Hasenhüttl vor der undankbaren Aufgabe steht, seine Spieler aufzurichten und die Abschlussschwäche zu beheben. Der psychologische Vorteil hat sich spürbar zum Zweitligisten verschoben.
Das Rückspiel in drei Tagen verspricht große Dramatik. Wolfsburg muss treffen, darf aber nicht riskieren, blindlings nach vorne zu stürmen und ausgekontert zu werden. Das Duell bleibt ausgeglichen, mit einem leichten Vorteil für Paderborn. Wenn uns das erste Spiel eines gelehrt hat, dann dass Seimens Heldentaten und Daghimas Vergabe bereits das erste Kapitel einer Geschichte geschrieben haben, die noch lange nicht zu Ende ist. Basierend auf Berichterstattung von Kicker.