Die Untersuchung des italienischen Schiedsrichtersystems nahm eine neue Wendung, als Giancarlo Viglione, der legislative Leiter des FIGC und selbsternannter Inter-Fan, von Mailands Staatsanwalt Paolo Ascione vernommen wurde. Viglione, der nicht offiziell untersucht wird, ist eine Schlüsselfigur in der Ermittlung, die mögliche Unregelmäßigkeiten im VAR-Zentrum in Lissone prüft. Die Anhörung, Teil einer breiteren Reihe von Vernehmungen, zielt auf die sogenannte "bussata"-Episode ab, von der die Ermittler glauben, dass sie eine unbefugte Einmischung in die bundesstaatlichen Kontrollen aufdecken könnte.
Vigliones Rolle als Rechtsberater des FIGC und enger Vertrauter des ehemaligen Präsidenten Gabriele Gravina bringt ihn ins Zentrum institutioneller Entscheidungsfindung. Seine offene Zuneigung zu Inter Mailand hat jedoch Aufmerksamkeit erregt. Der Staatsanwalt interessiert sich besonders für Vigliones Beteiligung an der Erleichterung des Zugangs für Bundesinspektoren zum VAR-Zentrum in Lissone. Laut Tuttosport hat die Lega Serie A angeblich Viglione konsultiert, um die Legalität dieser Inspektionen zu bewerten, was Fragen zu möglicher Bevorzugung aufwirft.
Die Beziehung des 52-jährigen Anwalts zu Inter wurde in mehreren Fällen dokumentiert. In der letzten Saison wurde er fotografiert, wie er auf dem Spielfeld den Scudetto der Nerazzurri feierte und Trainer Simone Inzaghi sowie die Führungskräfte Beppe Marotta und Piero Ausilio umarmte. Früher berichtete die Klatschseite Dagospia über ein Abendessen im Mailänder Restaurant The Wilde mit Gravina, Marotta, Viglione und Inter-Anwalt Angelo Capellini. Die Bildunterschrift bemerkte berühmt: „Ah, non saperlo ma gli juventini saranno contenti…“ – eine Bemerkung, die die Wahrnehmung enger Beziehungen zwischen dem Verband und Inter unterstrich.
Bei der Gran Galà del Calcio 2025 haben Sky-Kameras Viglione in angeregter Unterhaltung mit Inter-Funktionären Ausilio und Carlo Schenone aufgenommen, was die Bedenken hinsichtlich der Unparteilichkeit weiter anheizte. Diese Vorfälle haben einen Schatten auf seine institutionelle Neutralität geworfen, insbesondere angesichts seiner Aufsicht über die Gesetzgebung, die alle Serie-A-Klubs betrifft.
Der Fokus des Mailänder Staatsanwalts auf die „bussata" rührt von Vorwürfen her, dass die Bundesstaatsanwaltschaft des FIGC bei der Untersuchung des Zentrums in Lissone möglicherweise über ihr Mandat hinausgehandelt hat. Vigliones Aussage gilt als entscheidend, um aufzuklären, wer die Inspektionen autorisiert hat und ob die richtigen Protokolle eingehalten wurden. Die Anhörungen zielen darauf ab, festzustellen, ob der FIGC und die Lega Serie A Grenzen überschritten haben, was möglicherweise die Unabhängigkeit des VAR-Systems gefährdet.
Diese Entwicklung hat erhebliche Auswirkungen auf die Liga. Wenn die Untersuchung Unregelmäßigkeiten bestätigt, könnte dies das Vertrauen in die Schiedsrichter untergraben und zu Sanktionen gegen beteiligte Klubs führen. Für Inter riskiert die Wahrnehmung unangemessenen Einflusses, seinen Ruf zu schädigen, während andere Klubs die Fairness des Wettbewerbs in Frage stellen könnten. Das Ergebnis könnte auch Reformen in der Art und Weise anstoßen, wie der FIGC Interessenkonflikte unter seinen Funktionären verwaltet.
Staatsanwalt Ascione wird voraussichtlich in den kommenden Tagen weiterhin Zeugenaussagen von FIGC-Mitarbeitern und Serie-A-Vertretern sammeln. Die Untersuchung, die bereits den ehemaligen Inter-Manager Roberto Butti und den früheren Schiedsrichter-Designator Michele Pinzani umfasst, beschleunigt sich. Vigliones Anhörung markiert einen kritischen Schritt, um zu verstehen, ob der juristische Arm des Verbandes genutzt wurde, um bestimmte Interessen zu schützen.
Während der italienische Fußball auf Klarheit wartet, unterstreicht die breitere Erzählung das heikle Gleichgewicht zwischen institutionellen Rollen und persönlichen Loyalitäten. Der Fall Viglione erinnert daran, dass in der Fußballverwaltung die Wahrnehmung von Voreingenommenheit ebenso schädlich sein kann wie tatsächliches Fehlverhalten. Die nächsten Vernehmungen werden entscheiden, ob die Ermittlung systemische Mängel aufdeckt oder lediglich bestehende Protokolle bestätigt.
Basierend auf Berichten von Tuttosport.