Leonardo Bittencourts turbulente und offenherzige siebenjährige Zeit bei Werder Bremen neigt sich dem Ende zu, doch der Lärm, der einst jede seiner Bewegungen begleitete, ist einer fast unheimlichen Stille gewichen. Der 30-jährige Mittelfeldspieler, bekannt für sein hitziges Temperament und seine lautstarke Führung auf und neben dem Platz, steht nun vor einem Abgang, der sich eher wie ein Flüstern anfühlt als das Brüllen, das seine Persönlichkeit verdient.
Bittencourt kam 2018 nach Bremen und wurde schnell zum Publikumsliebling, nicht nur wegen seiner unermüdlichen Arbeitsmoral, sondern auch wegen seiner Bereitschaft, seine Meinung zu sagen. In einer Vielzahl von Einsätzen in allen Wettbewerben steuerte er wichtige Tore und Vorlagen bei und fungierte oft als emotionales Herz einer Mannschaft, die zwischen der Bundesliga und der 2. Bundesliga hin und her pendelte. Sein Einsatz war nie infrage gestellt – doch da jede Geschichte ihr letztes Kapitel hat, endet seine ohne den großen Abschied, den viele erwartet hatten.
Der Grund für das gedämpfte Ende liegt in einer Kombination von Faktoren. Erstens hatte Bittencourt in dieser Saison unter dem aktuellen Trainerstab Probleme, regelmäßige Spielzeit zu bekommen. Taktische Änderungen und das Aufkommen jüngerer Mittelfeldoptionen haben ihn in eine Randrolle gedrängt, der Veteran kam in den letzten Monaten nur zu wenigen Einsätzen. Sein letzter Startelfeinsatz in der Liga fühlt sich wie eine ferne Erinnerung an, und selbst seine typischen feurigen Auftritte als Einwechselspieler sind selten geworden.
Erschwerend kommt hinzu, dass sich der Verein selbst in einer Übergangsphase befindet. Mit dem Fokus auf Neuaufbau und Senkung der Gehaltskosten macht es finanziell wenig Sinn, einem alternden, hochverdienenden Spieler, der nicht mehr zum Kernplan gehört, einen neuen Vertrag anzubieten. Für Bittencourt stand die Schrift schon länger an der Wand. Trotz seiner tiefen Verbundenheit mit dem Verein erscheint eine Vertragsverlängerung äußerst unwahrscheinlich, und alle Zeichen deuten auf einen Sommerabgang als ablösefreien Spieler hin.
Die brennende Frage ist also, ob er noch einmal die Chance bekommt, das grün-weiße Trikot zu tragen. Die ursprüngliche Anfrage von Kicker – „Wie leise wird Bittencourts Werder-Abschied?“ – deutet darauf hin, dass er möglicherweise bereits sein letztes Spiel für den Verein bestritten hat. Da nur noch wenige Spiele in der Saison verbleiben und für Bremen in der Tabelle wenig auf dem Spiel steht, gibt es keine offensichtliche Notwendigkeit, auf seine Erfahrung zurückzugreifen. Sollte keine Verletzungsmisere den Trainer zwingen, könnte Bittencourt den Schlusspfiff seiner Werder-Karriere von der Tribüne oder der Bank aus verfolgen.
Ein so stiller Abgang würde in starkem Kontrast zur bombastischen Persönlichkeit des Spielers stehen. Während seiner Karriere war Bittencourt kein Fremder für Kontroversen: von hitzigen Wortgefechten auf dem Platz mit Gegnern bis zu emotionalen Entschuldigungen auf Pressekonferenzen, er hat sein Herz stets auf der Zunge getragen. Lautlos zu verschwinden, ohne einen ordentlichen Abschied, scheint fast im Widerspruch zu allem zu stehen, was er repräsentiert. Doch die Natur des Profifußballs ist selten sentimental.
Für Werder Bremen könnte das leise Schließen dieses Kapitels beiden Seiten erlauben, würdevoll weiterzumachen. Bittencourt kann anderswo neue Möglichkeiten erkunden, vielleicht in einer Liga, in der seine Erfahrung und sein Kampfgeist noch geschätzt werden. Der Verein kann unterdessen seine Erneuerung fortsetzen, ohne die Ablenkung einer peinlichen Abschiedstournee. Am Ende hinterlassen die lautesten Stimmen manchmal die leersten Stille. Basierend auf Berichterstattung von Kicker.