Chievo Verona steht kurz vor der Rückkehr in den Profifußball, und ein ehemaliger brasilianischer Nationalspieler hilft ihnen dabei. Der 35-jährige Flügelspieler Douglas Costa, der 31 Länderspiele für sein Land bestritt, schloss sich im Januar dem Serie-D-Klub an. Am Sonntag kann er die „Fliegenden Esel“ im Play-off-Finale gegen Casatese Merate zum Sieg führen, der die Tür zurück in die Serie C öffnen könnte – eine Aussicht, die nach der Insolvenz vor vier Jahren unmöglich schien.
Die Reise des Klubs ist einer der dramatischsten Auf- und Abstiege des italienischen Fußballs. Chievo wurde die einzige Mannschaft, die jede Stufe der Pyramide erklomm, erreichte 2001 die Serie A und blieb dort 17 von 18 Spielzeiten bis zum Abstieg 2019. Der finanzielle Zusammenbruch folgte der Pandemie und führte zum Ausschluss aus dem Profifußball. Der Klub wurde vom legendären Stürmer Sergio Pellissier gerettet, der 2021 Clivense gründete. Nach dem Aufstieg in die Serie D wurde die historische Marke Chievo im Mai 2024 übernommen, Pellissier blieb als Ehrenpräsident und Sportdirektor.
Jetzt wird der Klub von ehrgeizigen Eigentümern unterstützt. Präsident Pietro Laterza, der auch den Zweitligisten Al-Ittifaq in den VAE betreibt, hat massiv in Infrastruktur und Kader investiert. Das Trainingszentrum Bottagisio wurde renoviert, und erfahrene Serie-A-Veteranen wie Alberto Paloschi und Daniele Baselli wurden verpflichtet. Der herausragendste Neuzugang ist jedoch zweifellos Costa, dessen Verbindung zu Verona durch eine unerwartete Quelle zustande kam: Mario Balotelli.
Balotelli, der für Laterzas Al-Ittifaq spielt, war der Katalysator. Costa erzählt der BBC Sport, dass er kurz davor stand, bei einem südamerikanischen Klub zu unterschreiben, und Balotelli eingeladen hatte, mit ihm nach Brasilien zu kommen. „Er sagte mir, er könne nicht, weil er nach Dubai reist, und fragte mich dann, ob ich interessiert sei, mit ihm in die VAE zu gehen“, sagt Costa. Da der Ausländerplatz bei Al-Ittifaq belegt war, kam der Vorschlag, sechs Monate bei Chievo zu verbringen, um fit zu bleiben. Für Costa war die Rückkehr nach Italien einfach: „Ich liebe Italien sehr, also war die Entscheidung zu kommen einfach.“
Costas Karriere glänzte mit Titeln bei Bayern München und Juventus, wo er drei aufeinanderfolgende Serie-A-Meisterschaften gewann, aber die letzten Jahre brachten Turbulenzen. Eine Vertragsauflösung bei Sydney FC nach einem Rechtsstreit über Kindesunterhalt in Brasilien störte seinen Schwung. Dennoch hat er sich schnell an das Amateurumfeld angepasst. Er erzielte ein entscheidendes Tor im Halbfinalsieg gegen die U23-Mannschaft des AC Mailand, Milan Futuro, und dieser Treffer hält Chievos Aufstiegshoffnungen am Leben.
Das Play-off-System ist komplex – ein Sieg am Sonntag garantiert nicht den Aufstieg, da er von Serie-C-Vakanzen abhängt, die durch finanzielle Probleme höherer Klubs entstehen. Aber angesichts der prekären Lage mehrerer Drittligisten bleibt Chievos Ziel in Reichweite. Costas Erfahrung ist unbezahlbar. „Junge Spieler brauchen Erfahrung“, sagt Präsident Laterza. „Champions wie Douglas oder Mario sind eine enorme Quelle der Inspiration und Motivation und geben ihnen eine Vorstellung davon, was im Leben möglich ist.“ Der Klub hat eine neue Akademie mit über 300 Kindern aufgebaut, um einen Weg vom Breitensport zum Profifußball zu schaffen.
Costa selbst reflektiert den Wandel seiner Rolle. „Bei Bayern war ich jung, und ich war derjenige, der von den erfahrenen Spielern lernen musste. Heute bin ich derjenige, der dem Trainer und meinen Teamkollegen helfen muss. Aber Fußball in der Serie A und Serie D ist immer noch Fußball – die Dynamiken sind ähnlich.“ Abseits des Platzes ist sein Einfluss ebenso bedeutend. Er spricht darüber, die Mentalität der Mannschaft zu ändern und sicherzustellen, dass sie alles professionell angehen, egal ob im Training oder während der Spiele.
Der Brasilianer gibt die Herausforderung der schnellen Anpassung zu. „Wenn ich hier ein ganzes Jahr gespielt hätte, wäre es vielleicht noch besser gelaufen. Drei Monate hier zu sein, ist nicht einfach, selbst wenn man ein Spitzenspieler ist.“ Doch seine Freude am Spiel ist ungetrübt. „Fußball ist für mich Freude: Wenn der Ball an meinen Füßen ist, bin ich glücklich. Ich habe immer noch eine junge Mentalität und will nicht alt werden. Wir sind hier, um gemeinsam zu lernen und zu lachen, und das motiviert mich jeden Tag.“
Diese Einstellung hat Fans in der gesamten Liga gewonnen. Costa verrät, dass sogar gegnerische Fans manchmal applaudieren, wenn er in Auswärtsspielen den Ball bekommt, und etwas Besonderes erwarten. Es ist ein Zeugnis seiner anhaltenden Qualität und der einzigartigen Geschichte, die sich in Verona abspielt. Während sein ursprünglicher Plan war, die Saison zu beenden und nach Dubai zu ziehen, könnte der Aufstieg alles ändern. Laterza deutet an: „Das Hauptziel ist es, die Saison so stark wie möglich zu beenden und alles für den Aufstieg zu geben. Danach werden wir sehen.“
Für einen Klub, der für bankrott erklärt wurde und ganz von vorne anfing, hat der Aufstieg eine tiefe Bedeutung. Die Wiedervereinigung mit dem Profistatus wäre ein bemerkenswertes Comeback. Douglas Costa, der Champions-League-Sieger, der ausverkaufte Stadien gewohnt ist, kämpft jetzt vor begrenztem Publikum um einen Preis, der sich genauso bedeutsam anfühlt. Seine Anwesenheit allein symbolisiert die Ambitionen des wiederauferstandenen Chievo. Balotelli und Dubai können warten – im Moment sind alle Augen auf einen weiteren Sieg und die Rückkehr in die Elite-Ebenen des italienischen Fußballs gerichtet.
Basierend auf einem Bericht von BBC Sport.