Das Finale der Weltmeisterschaft 2006 bleibt eines der dramatischsten Kapitel des Fußballs, und eine neue Dokumentation von L'Équipe, „9 juillet 2006“, betrachtet das Chaos aus frischer Perspektive. Zu den Stimmen gehört Robert Duverne, damals Fitnesstrainer der französischen Nationalmannschaft, der eine sehr persönliche Sicht auf Zinédine Zidanes berüchtigten Kopfstoß und die Ereignisse, die ihm vorausgingen, bietet.
Duverne nennt die 104. Minute als den wahren Wendepunkt. Beim Stand von 1:1 stieg Zidane zu einer Flanke auf und köpfte kraftvoll aufs Tor – nur um von Gianluigi Buffon mit einer atemberaubenden, akrobatischen Parade gestoppt zu werden. Für Duverne änderte dieser Moment alles. „Wir dachten, Zidane würde uns einen zweiten Weltcup gewinnen“, erinnert er sich, immer noch staunend über Buffons Reflex.
Die psychologische Wirkung war unmittelbar und verheerend. Frankreich hatte die Schlussphase dominiert, und Buffons Abwehr hielt nicht nur Italien am Leben, sondern säte auch Frustration. Duverne glaubt, dass diese Parade „uns den Sieg geraubt“ und die Bühne für die folgende Explosion bereitet habe. In der Dokumentation betont er, dass ohne diesen Eingriff der Kopfstoß vielleicht nie passiert wäre.
Nur drei Minuten später versank das Spiel in Berühmtheit. Zidane und Marco Materazzi wechselten Worte, dann rammte der französische Kapitän seinen Kopf in die Brust des Italieners. Der Schiedsrichter übersah es zunächst, aber der vierte Offizielle, durch die Video-Wiederholung gewarnt, zeigte das Vergehen an. Duverne beschreibt die Verwirrung auf der französischen Bank: „Wir verstanden nicht, was geschah.“
Die italienische Bank hatte jedoch eine klarere Sicht – oder zumindest die Wiederholung auf einem Monitor gesehen. Duverne erinnert sich, wie Gegner „mir zu verstehen gaben, fast entschuldigend, dass das Bild schrecklich war.“ Das Gefühl der Unvermeidlichkeit wuchs, als sie erkannten, dass Zidane aufgrund dieser Videoaufnahme des Feldes verwiesen werden würde.
Doch Duverne hegt keinen Groll. In einem ergreifenden Geständnis sagt er: „In diesem Moment will ich Zidane nur lieben.“ Dieses Zitat fasst die widersprüchlichen Gefühle um einen Spieler zusammen, der eine Nation über ein Jahrzehnt lang getragen hatte. Duvernes Haltung ist klar: Er gibt Zidane keine Schuld an der Niederlage oder der Art seines Abgangs.
Der Kopfstoß überschattete ein märchenhaftes Turnier für Zidane, der bereits seinen Rücktritt angekündigt hatte. Seine früheren Tore, darunter der Panenka-Elfmeter im Finale, gerieten angesichts der Roten Karte in Vergessenheit. Für Duverne war die wahre Tragödie, dass Buffons Heldentat Frankreich – und Zidane – um ein Märchenende brachte.
Rückblickend beleuchten Duvernes Reflexionen die menschlichen Kosten solcher Momente unter Hochdruck. Der Fitnesstrainer, der später unter kontroversen Umständen in Frankreich arbeitete, sieht den Vorfall nicht als einen Moment des Wahnsinns, sondern als Höhepunkt enormen Drucks. „Warum sind wir an diesem Tag auf Buffon gestoßen?“, fragt er und sucht immer noch nach Antworten.
Die Dokumentation „9 juillet 2006“ fügt ähnliche Aussagen zusammen, aber Duvernes Stimme sticht durch ihre Empathie hervor. Sie erinnert die Zuschauer daran, dass Zidanes Vermächtnis nicht durch eine gewalttätige Tat definiert wird, sondern durch eine Karriere voller Kunstfertigkeit. Duvernes Weigerung, den Star zu verurteilen, spiegelt ein tieferes Verständnis im französischen Fußball wider.
Letztlich dient das Finale von 2006 als Lektion, wie Sport Ruhm und Verzweiflung verwebt. Duvernes Erinnerungen bieten einen Einblick in die fragilen Dynamiken eines Teams, das an seine Grenzen getrieben wird. Wie er andeutet, heilen manche Wunden nie vollständig, aber Vergebung – für Zidane, für diesen Moment – fällt mit der Zeit leichter.
Basierend auf Berichterstattung von L'Équipe.