Kap Verde startete seine Vorbereitung auf die historische erste FIFA-Weltmeisterschaftskampagne mit Nachdruck und feierte am Sonntagabend im Estádio Nacional von Lissabon einen souveränen 3:0-Testsieg gegen Serbien. Die Inselnation, die bei dem auf 48 Mannschaften erweiterten Turnier in diesem Sommer ihr WM-Debüt geben wird, zeigte eine Leistung, die defensive Stabilität mit gnadenloser Angriffseffizienz verband und ein frühes Zeichen ihrer Absichten setzte. Für Kap Verde ist jeder Schritt auf dem Weg zum Anpfiff am 15. Juni Neuland, und dieses Ergebnis gab einen greifbaren Schub an Selbstvertrauen.
Das Spiel begann mit Ballbesitzvorteilen für Serbien – sie sollten am Ende 61 % des Balles haben –, aber Kap Verde schlug bereits in der 11. Minute zu. Der Krasnodar-Stürmer Kevin Pina nutzte eine präzise Vorlage des erfahrenen Flügelspielers Ryan Mendes (ehemals Le Havre und Lille) zur Führung. Das Tor war ein Beispiel für die taktische Disziplin Kap Verdes: Druck aushalten und mit Tempo und Präzision in Umschaltmomenten zuschlagen. Trotz der territorialen Überlegenheit Serbiens ließ die Defensivorganisation der Blue Sharks nur wenige klare Torchancen zu.
In der zweiten Halbzeit baute Kap Verde die Führung mit zwei schnellen Toren kurz nach der 60. Minute aus. Der eingewechselte Laros Duarte, der bei Puskás Akadémia in Ungarn spielt, erwies sich als Katalysator. In der 59. Minute traf Duarte selbst und erhöhte auf 2:0. Nur vier Minuten später legte er auf und bereitete Benchimols dritten Treffer vor. Der Doppelschlag innerhalb von 240 Sekunden entschied die Partie endgültig und unterstrich Kap Verdes Fähigkeit, Gegner mit klinischen Serien zu bestrafen.
Es muss angemerkt werden, dass Serbien für dieses Testspiel eine deutlich geschwächte Elf aufbot. Cheftrainer Dragan Stojković ließ mehrere Stammkräfte schonen, darunter Stürmer Dušan Vlahović, Torhüter Mile Svilar und die Brüder Milinković-Savić – Sergej und Vanja. Da die serbische Saison für viele Spieler gerade erst geendet hatte, war die Entscheidung, diese Stars aus der Tour (die am 5. Juni gegen Mexiko in Toluca endet) auszuschließen, vorsorglich. Daher war Kap Verdes Sieg, so überzeugend er auch war, gegen eine serbische Mannschaft weit unter Bestbesetzung erzielt. Der psychologische Schub eines 3:0-Erfolges gegen eine europäische Nation mit WM-Tradition ist dennoch nicht von der Hand zu weisen.
Für Kap Verde wird die Leistung im Hinblick auf die schwierige WM-Gruppe unter die Lupe genommen. Die Blue Sharks eröffnen das Turnier am 15. Juni in Atlanta gegen Spanien – eine gewaltige Aufgabe gegen einen der Favoriten. Es folgen Spiele gegen Uruguay am 22. Juni in Miami und gegen Saudi-Arabien am 27. Juni in Houston. Ein Sieg gegen Serbien, wenn auch in Unterzahl, deutet darauf hin, dass Kap Verde nicht einfach nur Teilnehmer sein will; sie schaffen sich eine Plattform, um zu konkurrieren. Die defensive Widerstandsfähigkeit und die Kontergefahr, die in Lissabon gezeigt wurden, könnten ein Blaupause sein, um noch prominentere Gegner zu frustrieren.
Das Testspiel diente als wichtige Übung für den Zusammenhalt einer Mannschaft, die aus Vereinen in aller Welt zusammengewürfelt ist. Kap Verdes Kader vereint in Europa tätige Profis mit Spielern aus Asien und Amerika, und die zerstückelte Natur internationaler Fenster lässt oft wenig Zeit für Chemie. Die Leistung gegen Serbien zeigte, dass der taktische Rahmen, den Trainer Bubista – eine kappverdische Fußballlegende – installiert hat, greift. Die Form der Mannschaft ohne Ball war kompakt, die Umschaltbewegungen schnell, Markenzeichen eines Außenseiter-Spielplans, der Überraschungen bereithält.
Ryan Mendes' Vorlage zum ersten Tor erinnerte an seine anhaltende Klasse. Der 34-jährige Kapitän, der nach Stationen in Frankreich nun in Katar bei Al-Rayyan spielt, bleibt eine zentrale Figur. Seine Übersicht und Flankenlaufbahn werden entscheidend sein, wenn Kap Verde Spanien und Uruguay ärgern will. Gleichzeitig zeigt der Einfluss von Duarte als Einwechselspieler die Tiefe, auf die Bubista zurückgreifen kann – eine Ressource, die bei einem kompakten Turnierplan mit notwendiger Rotation auf die Probe gestellt wird.
Vorausschauend hat Kap Verde noch ein Vorbereitungsspiel: ein Aufeinandertreffen mit Bermuda (FIFA-Rang 166) am 6. Juni in East Hartford, Connecticut. Dieses Spiel bietet eine letzte Gelegenheit, Taktik zu verfeinern und Einsatzzeiten zu managen, bevor der Scheinwerfer auf Atlanta gerichtet ist. Die Partie gegen den schwächeren Gegner wird Bubista wohl verschiedene Kombinationen ausprobieren lassen, aber die gegen Serbien gezeigten Kernprinzipien – defensive Disziplin und schnelle Konter – werden voraussichtlich konstant bleiben.
Der Sieg in Lissabon hat auch symbolisches Gewicht für den kappverdischen Fußball. Eine Nation mit rund einer halben Million Menschen, verstreut auf einem Archipel vor der westafrikanischen Küste, hat stets über ihrem Gewicht geboxt und sich mehrfach für den Afrika-Cup qualifiziert. Nun ruft die WM-Bühne. Das Ergebnis gegen Serbien wird in der Diaspora in den USA, wo das Turnier mitveranstaltet wird, nachhallen und könnte Unterstützung mobilisieren, die Stadien in virtuelle Heimspielstätten verwandelt.
Zusammenfassend war Kap Verdes 3:0-Sieg über Serbien ein idealer Start in die WM-Vorbereitung – eine Absichtserklärung, ein Vertrauensschub und ein mit Bravour bestandener Praxistest. Auch wenn die geschwächte serbische Mannschaft den Wert des Erfolgs relativiert, können die Blue Sharks großen Glauben aus der Art und Weise des Auftritts ziehen. Während der Countdown zum historischen Auftakt gegen Spanien läuft, wagt die Inselnation zu träumen. Basierend auf Berichterstattung von L'Equipe.