Die Feierlichkeiten zum Schweizer Super-League-Titel des FC Thoune nahmen am Donnerstag eine peinliche Wendung, als der Meister zu Hause mit 3:8 von Young Boys deklassiert wurde. In einer chaotischen Begegnung wurden zwei Spieler von Thoune vom Platz gestellt, und nach einer kurzen 2:1-Führung kassierte man sieben Gegentore in Folge – die höchste Niederlage der Saison.
Thoune hatte sich am 3. Mai ohne Ballkontakt den ersten Schweizer Meistertitel gesichert, nachdem St. Gallen gegen Sion verloren hatte. Die Märchensaison des Aufsteigers erreichte früh ihren Höhepunkt, aber der Kater war heftig. Von den letzten sieben Spielen verloren sie sechs, und im Stockhorn-Arena war von Feierstimmung nichts zu spüren.
Das Spiel begann denkbar schlecht, als Young Boys bereits nach 60 Sekunden traf. Thoune zeigte jedoch Moral und drehte die Partie zu einer 2:1-Führung. Zu diesem Zeitpunkt sah es nach einem komfortablen Heimsieg aus, doch was folgte, war ein verblüffender Zusammenbruch, der die defensiven Schwächen des Meisters offenbarte.
Der Zusammenbruch begann in der 26. Minute, als die Gäste ausglichen. Von da an zerfiel Thounes Abwehr alarmierend. Zur Halbzeit lag man 2:3 zurück, nachdem Marco Burki in der Nachspielzeit die direkte rote Karte gesehen hatte. Die zweite Halbzeit wurde noch schlimmer: Jan Bamert sah in der 76. Minute ebenfalls Rot, sodass Thoune nur noch zu neunt spielte.
Young Boys nutzte die Überzahl gnadenlos aus und erzielte in der zweiten Halbzeit fünf weitere Tore. Thoune gelang in der 79. Minute der Ehrentreffer, aber zu diesem Zeitpunkt war das Ergebnis bereits eine Demütigung. Der Schlusspfiff brachte Erleichterung, doch der Schaden für die Moral könnte erheblich sein, während man sich auf die Champions League vorbereitet.
Disziplin war ein großes Problem. Burkins Platzverweis in der Nachspielzeit der ersten Hälfte und Bamerts späte rote Karte bescherten der Heimmannschaft eine unlösbare Aufgabe. Insgesamt kassierte Thoune zwei direkte rote Karten – ein besorgniserregender Mangel an Gelassenheit für ein Team, das bald auf Europas Elite trifft.
Die Sieben-Tore-Lawine in der zweiten Halbzeit offenbarte strukturelle Probleme. Thoune kassierte in der 54., 64., 68., 77. und 81. Minute Gegentore und zeigte eine Abwehr, die mit dem Tempo und den Bewegungen von Young Boys einfach nicht klarkam. Selbst mit elf Mann wirkte der Meister in Umschaltsituationen anfällig.
Dieses Ergebnis ist mehr als nur ein schlechter Tag. Für Thoune wirft es ernste Fragen zur Bereitschaft für die zweite Qualifikationsrunde der Champions League im Juli auf. Gegner werden diese Verletzlichkeit notiert haben, und das Märchen könnte sich auf der europäischen Bühne schnell in einen Albtraum verwandeln.
Trainer Mauro Lustrinelli, der den historischen Aufstieg und Titelgewinn des Vereins orchestrierte, steht nun vor der gewaltigen Aufgabe, das erschütterte Selbstvertrauen zu reparieren. Die Feierzeit ist offiziell vorbei; die harte Arbeit muss sofort beginnen, wenn Thoune ein ähnliches Schicksal vermeiden will, wenn es darauf ankommt.
Young Boys hingegen lieferte eine Statement-Leistung ab. Sie waren abgeklärt, nutzten ihre Chancen und zeigten, warum sie weiterhin zu den stärksten Mannschaften der Schweiz gehören. Für sie wird dies ein Vertrauensschub vor den eigenen europäischen Ambitionen in der nächsten Saison sein.
Thoune reist zum letzten Meisterschaftsspiel nach St. Gallen – eine Chance, die Saison etwas positiv zu beenden. Doch mit der Sommerpause vor der Tür muss sich der Fokus schnell auf Transfers und taktische Anpassungen richten. Die 8:3-Niederlage ist eine ernüchternde Erinnerung daran, dass auch Meister nicht vor einem Zusammenbruch gefeit sind.
Basierend auf Berichterstattung von L'Équipe.