Aston Villa beendete mit einem souveränen 3:0-Sieg über Freiburg im Europa-League-Finale in Istanbul eine 29-jährige Durststrecke nach einem großen Titel. Der Triumph im Beşiktaş Park krönte eine spektakuläre Saison unter Unai Emery, der sich einen Rekord-vierten (fünften?) Europa-League-Titel als Trainer sicherte. Es war eine Nacht, die Epochen verband, als neun Mitglieder von Villas Europapokalsiegermannschaft von 1982 zusahen, wie der Verein ein neues Kapitel seiner europäischen Geschichte hinzufügte.
Das Spiel wurde früh durch zwei Glanzmomente entschieden. Youri Tielemans traf per Volley nach einer kurzen Ecke und gab Villa die gewünschte Basis. Emi Buendia verdoppelte die Führung mit einem Schlenzer in den Winkel, der die Scharen mitgereister Fans in Ekstase versetzte. Morgan Rogers erzielte in der zweiten Halbzeit das dritte Tor, krönte einen schönen Angriff und löste wilde Jubelszenen an der Seitenlinie aus, wo Emery mit geballten Fäusten sprang. Als der Schlusspfiff ertönte, hatte die offizielle 10.000er-Abordnung – in Istanbul auf geschätzte 20.000 angewachsen – längst ihre Feier begonnen.
Die Szenerie war voller Anklänge an 1982. Wie Villas Europapokal-Helden 1982 Bayern München in Rotterdam im weißen Trikot besiegten, schlug diese Mannschaft ein deutsches Team in Rot in einer türkischen Metropole. Dennis Mortimer und Peter Withe, der Kapitän und Torschütze jener Nacht, waren anwesend, und die Parallelen waren nicht zu übersehen. Tielemans' Führungstor fühlte sich an wie eine moderne Neuauflage von Withes berühmtem Siegtreffer, während die kollektive Erleichterung über das Ende der Titeldürre den Emotionen von vor 43 Jahren entsprach.
Für Emery bestätigte der Moment ein Versprechen, das er bei seiner Ankunft in Villa Park 2022 gegeben hatte. Er übernahm eine Mannschaft drei Punkte über der Abstiegszone und führte sie innerhalb von dreieinhalb Jahren in jeder Saison in den Europapokal, gipfelnd in der Champions-League-Qualifikation und dieser Trophäe. Seine persönliche Bilanz in Europa-League-Endspielen ist atemberaubend: sechs Endspiele, fünf Siege. Die 5,2 Millionen Pfund Ablöse an Villarreal für seine Dienste erscheinen nun als eines der größten Schnäppchen des Fußballs, angesichts der finanziellen Zwänge, die Villa durch jährliche Verkäufe wichtiger Spieler zur Einhaltung der Profit- und Nachhaltigkeitsregeln bewältigte.
Das Finale war nicht ohne frühe Aufregung. Torhüter Emi Martinez benötigte im Aufwärmen Behandlung an seinem rechten Ringfinger, ein Moment, der unheimlich an Nigel Spinks Einwechslung für den verletzten Jimmy Rimmer früh im Finale 1982 erinnerte. Doch Martinez, ein Weltmeister, schüttelte das Problem ab, hielt seinen Kasten sauber und wurde später zu einer zentralen Figur der Feierlichkeiten – er hievte Emery sogar auf seine Schultern, während die Party auf dem Platz tobte.
Das Ereignis zog VIP-Aufmerksamkeit auf sich: Prinz William, bekennender Villa-Fan, filmte die Pokalübergabe mit seinem Handy. Miteigentümer Nassef Sawiris und Wes Edens umarmten Spieler, während Fußball-Geschäftsführer Damian Vidagany die Hände auf den Kopf legte und den Druck ausatmete, der sich über Jahre des Wiederaufbaus aufgebaut hatte. Der Kader wird am Donnerstag den Pokal durch Birmingham paradieren – eine logistische Herausforderung, die die Verantwortlichen nervös im Voraus geplant hatten.
Der Sieg hat tiefgreifende Auswirkungen. Villas Rückkehr in die Champions League – bereits durch einen Top-4-Platz in der Premier League gesichert – verleiht ihnen finanzielle Schlagkraft und Prestige, um Stars wie Rogers zu halten, der nach seiner Weltmeisterschaft mit England im Sommer Interesse wecken könnte. Rogers, ein 16-Millionen-Pfund-Zugang von Middlesbrough vor zwei Jahren, verlässt Istanbul als Europa-League-Sieger – Sinnbild für die kluge Kaderplanung unter Emerys Führung.
„Ich fühle mich großartig“, sagte Tielemans anschließend mit heiserer Stimme. „Wir haben uns reingehängt und eine Top-Leistung gezeigt. Wir sind so schlecht in die Saison gestartet, unsere Standards waren sehr niedrig. Die Art, wie wir das Blatt gewendet haben, ist ein Verdienst der Spieler und des Trainerstabs. Wir haben weiter geglaubt, und jetzt haben wir den Sieg, die Champions League nächste Saison und einen Pokal.“ Rogers stimmte ein: „Es ist schwer in Worte zu fassen. Wir haben so hart dafür gearbeitet. Wir werden in die Geschichte eingehen.“
Villas Erfolg markiert das erste Bein eines möglichen englischen Triple in UEFA-Wettbewerben, da Crystal Palace und Arsenal noch ihre jeweiligen Endspiele bestreiten. Doch für die claret and blue Anhänger steht diese Nacht für sich allein. Das Banner von Brian Moores Kommentar, das im Doug Ellis Stand hängt und an Withes Tor erinnert, wartet auf einen Begleiter. Eine neue Generation von Helden hat sich ihren Platz im Pantheon von Villa Park verdient. Basierend auf Berichterstattung von BBC Sport.