Xxgwise
PremiumAnmelden
Nachrichten

Warum Guardiola weinte: Die 10-jährige Ära von Man City

Premier LeagueManchester United vs LiverpoolManchester CityManchester UnitedLiverpoolAston VillaPortugalEnglandSpanienAnderlechtBarcelonaReading

Guardiolas 593-Spiele-Ära bei City endete mit einem emotionalen Abschied: Tränen für Bernardo Silva, Ehrungen für Stones. Enzo Maresca soll nachfolgen.

Das Etihad-Stadion erlebte am Sonntag eine Flut roher Emotionen, als Pep Guardiolas historische zehnjährige Amtszeit als Manager von Manchester City ihr bewegendes Ende fand. Ein Tag, der eine beispiellose Ära der Dominanz feiern sollte, wurde zur Leinwand für Tränen, Ehrungen und herzliche Verabschiedungen, wobei selbst der sonst so gefasste Katalane seine Gefühle nicht zurückhalten konnte.

Guardiolas Herrschaft hat die englische Fußballlandschaft völlig verändert. Nachdem er 2016 nach Eroberungen Europas mit Barcelona und Bayern München ankam, setzte er eine revolutionäre Philosophie um, die 15 große Trophäen in die blaue Hälfte von Manchester brachte, darunter sechs Premier-League-Titel, einen lang ersehnten Champions-League-Pokal, drei FA-Cups und fünf Carabao-Cups. Seine 416 Siege in 593 Spielen ergaben eine erstaunliche Siegquote von 70,2 %, und die 100-Punkte-Saison 2017/18 bleibt ein nie erreichter Maßstab der Perfektion. Nur der legendäre Sir Alex Ferguson hat mehr englische Spitzentitel gewonnen, was die Bedeutung von Guardiolas Leistungen unterstreicht.

Der entscheidende Moment des Nachmittags kam in der 59. Minute. Als die Nummer von Kapitän Bernardo Silva auf der Tafel des vierten Offiziellen erschien, wurde der portugiesische Nationalspieler, der unter Guardiola die meisten Einsätze hatte, von Emotionen überwältigt. Beide Mannschaften bildeten ein Spalier, als er vom Feld ging, aber es war der Anblick von Silvas Tränen, der Guardiolas Ruhe zerstörte. Der Manager weinte offen, wischte sich mit dem Trikot das Gesicht ab und umarmte dann seinen Mittelfeldmaestro an der Seitenlinie – eine Momentaufnahme, die neben Ikonen wie Kevin De Bruyne und Sergio Aguero in den Gängen des Stadions verewigt werden wird.

Silvas Abgang war nur ein Teil eines größeren Exodus. Zusammen mit Verteidiger John Stones werden beide den Verein verlassen, wenn ihre Verträge nächsten Monat auslaufen, und jeder erhielt von Guardiola in einer Zeremonie auf dem Spielfeld ein gerahmtes Trikot. Silva wandte sich an die Menge und sagte, er werde wahrscheinlich nie wieder so viel Liebe erfahren, während Stones von einem Traum sprach, der wahr geworden sei, und von tiefer Dankbarkeit. Der Tag sah auch die Rückkehr der ehemaligen Spieler Ilkay Gündogan und Ederson, die letzten Sommer in die Türkei wechselten, die warme Ovationen erhielten und so ein Gefühl des Abschlusses für mehrere Kapitel boten.

Guardiola sprach nach dem Spiel über das emotionale Geflecht. ‚Dieses Kapitel wird immer da sein‘, sagte er, bevor er über den Ausdruck von Gefühlen philosophierte: ‚Wenn du weinen willst, dann weine, wenn du lachen willst, dann lache. Gefühle – man muss sie ausdrücken.‘ Er gab zu, dass er selten weine, aber die Tränen eines anderen lösten seine eigenen aus. Der 55-Jährige bemerkte, dass er mit einem ‚unglaublichen Gefühl des Friedens‘ gehe, und erkannte an, dass das Leben aus Phasen bestehe und dass jetzt eine neue Person das Ruder übernehmen müsse.

Diese neue Person wird allgemein als Enzo Maresca erwartet, die Verhandlungen befinden sich Berichten zufolge in einem fortgeschrittenen Stadium. Die Aufgabe, die Guardiolas Nachfolger erwartet, ist monumental, und Experten haben bereits zur Geduld aufgerufen. Es wurden Vergleiche mit David Moyes nach Fergusons Abgang bei Manchester United gezogen, was die nahezu unmögliche Herausforderung hervorhebt, einem transformativen Genie nachzufolgen. Guardiolas Rat war bezeichnend einfach: ‚Sie müssen sie selbst sein.‘ Er betonte Authentizität in Kommunikation und Stil und vertraute auf die institutionelle Stärke des Vereins.

Der Tag war reich an symbolischen Gesten. Ein riesiges Banner mit der Aufschrift ‚10 Jahre mit Pep – Game Changer, History Maker, City forever‘ wurde entrollt, und der neu erweiterte Nordrang wurde offiziell in Pep-Guardiola-Rang umbenannt – eine dauerhafte Hommage, die seinen 95-jährigen Vater Valenti, der auf der Tribüne saß, bewegte. Villa-Trainer Unai Emery, der Guardiola einst als den ‚einzigen Fußball-Genie‘ bezeichnete, überreichte vor dem Anpfiff ein Andenken, ein Zeichen des Respekts von einem Landsmann.

Trotz der 2:1-Niederlage gegen ein von Europa-League-Erfolg beflügeltes Aston Villa schien das Ergebnis nebensächlich. Der Schlusspfiff löste eine Welle der Emotionen aus, als die Fans ein letztes Mal ‚We’ve got Guardiola‘ skandierten. Seine Stimme brach während einer Abschiedsrede auf dem Spielfeld, und eine letzte Ehrenrunde endete mit einem ruhigen Abgang durch den Tunnel. Die Ära war offiziell zu Ende.

Guardiolas Vermächtnis geht über Trophäen hinaus; er hat die taktische Landschaft des englischen Fußballs neu definiert und City zu einer globalen Supermacht erhoben. Sein Punktedurchschnitt von 2,28 pro Spiel ist unter Managern mit 20 oder mehr Spielen unübertroffen, und sein Einfluss wird eine Generation spürbar sein. Während der Verein zu einer Botschafterrolle für Guardiola übergeht und sich auf das Leben unter neuer Führung vorbereitet, ist die Botschaft klar: Was über ein Jahrzehnt aufgebaut wurde, wird die Grundlage für alles Weitere sein. Aber an einem emotionalen Tag ging es einfach darum, Abschied zu nehmen.

Basierend auf Berichterstattung von BBC Sport.