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Warum Irlands Kapitän Collins den Israel-Boykott nicht

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Irlands Kapitän Collins sagt, dass Spieler nicht daran gehindert werden, gegen Spiele gegen Israel zu protestieren, während der FAI bestätigt, dass er trotz

Der Kapitän der Republik Irland, Nathan Collins, hat klargestellt, dass Spieler, die gegen die bevorstehenden Nations-League-Spiele gegen Israel protestieren möchten, im Kader keinen Widerstand erfahren werden. Vor dem Freundschaftsspiel Irlands gegen Katar am Donnerstag betonte der Verteidiger von Brentford den Respekt des Teams für das individuelle Gewissen und erklärte, dass niemand „zurückgehalten“ werde, wenn er sich stark zu den politisch aufgeladenen Partien fühle. Die Spiele, die für den 27. September und 4. Oktober angesetzt sind, haben scharfe Kritik von propalästinensischen Gruppen hervorgerufen und diese Woche zu einem Protest vor dem irischen Parlament geführt.

Der irische Fußballverband (FAI) bestätigte bereits früher in diesem Jahr, dass er die beiden Begegnungen trotz Boykottaufrufen austragen werde. Der Verband warnte, dass eine Weigerung zu spielen zu strengen Disziplinarmaßnahmen der UEFA führen könnte, bis hin zum Ausschluss aus der Nations League. Dies bringt die Spieler in eine schwierige Lage, in der sie persönliche Überzeugungen mit beruflichen Pflichten abwägen müssen. Collins räumte die Komplexität ein und bemerkte, dass der Kader dem FAI und der Regierung vertrauen müsse, um die Situation zu meistern.

Die Kontroverse findet vor dem Hintergrund intensiver globaler Aufmerksamkeit für die israelische Militäroffensive im Gazastreifen statt, die nach Angaben des Gesundheitsministeriums des Gebiets mehr als 72.500 Palästinenser getötet hat. Der Krieg wurde durch den von der Hamas angeführten Angriff am 7. Oktober 2023 ausgelöst, bei dem rund 1.200 Israelis getötet und 251 als Geiseln genommen wurden. Die Interessengruppe Irish Sport For Palestine hat lautstark gefordert, die Spiele abzusagen, beschuldigt Israel der „Apartheid und des Völkermords“ und beruft sich auf Verstöße gegen UEFA- und FIFA-Statuten bezüglich Spielen auf besetztem Land. Israel weist die Vorwürfe zurück und besteht darauf, dass seine Handlungen der Selbstverteidigung dienen.

Collins, der die Mannschaft gegen Katar und später am 6. Juni gegen Kanada als Kapitän anführen wird, betonte, dass das Team zwar geeint sei, individuelle Entscheidungen jedoch respektiert würden. „Was wir besprechen würden, ist schwer zu sagen, weil man die ganze Gruppe zusammen haben muss. Aber wenn Einzelpersonen Stellung beziehen wollten, werden wir nicht gegen sie vorgehen, wir werden sie nicht zurückhalten“, sagte er Reportern. Der 25-Jährige fügte hinzu, dass Spieler „ein Recht auf ihre eigene Meinung“ hätten und die Kabinenkultur sie nicht unterdrücken werde.

Die Worte des Kapitäns spiegeln einen heiklen Balanceakt wider. Wenn ein oder mehrere erfahrene Spieler sich weigern zu spielen, könnte dies den Teamzusammenhalt zerbrechen und Irlands Leistung in einer wettbewerbsintensiven Nations-League-Gruppe schwächen, zu der auch England, Finnland und Griechenland gehören. Spieler jedoch gegen ihr Gewissen zum Einsatz zu zwingen, könnte langfristige Verstimmungen verursachen und die Mannschaftsmoral schädigen. Collins' Ansatz – individuelle Wahl zuzulassen, während er sich in logistischen Fragen auf den FAI verlässt – versucht, eine offene Krise zu vermeiden.

Jenseits der geopolitischen Debatte nutzte Collins die Gelegenheit, um über seine eigene Führungsentwicklung nachzudenken. Nachdem er zum Klubkapitän von Brentford ernannt worden war und die irische Kapitänsbinde übernommen hatte, gab er anfängliche Schwierigkeiten zu. „Zu Beginn der Saison habe ich viel auf mich genommen… Ich habe versucht, zu viel von dem zu ändern, was ich für das Team tun musste“, gestand er. Die ruhigere zweite Saisonhälfte, so sagte er, habe ihm gelehrt, dass es beim Kapitänsamt darum gehe, andere zu befähigen, anstatt alles selbst zu machen. Diese reife Einstellung könnte ihm bei der Bewältigung der sensiblen Israel-Frage zugutekommen.

Trotz des Lärms abseits des Platzes betonte Collins, dass seine Begeisterung für den internationalen Fußball ungebrochen sei. Die herzzerreißende WM-Playoff-Niederlage gegen Tschechien im März schmerzt noch, aber der Innenverteidiger ist entschlossen, jeden Moment im grünen Trikot zu genießen. „Ich kann immer noch mein Land vertreten. Ich kann immer noch mit dem grünen Trikot auflaufen. Ich kann immer noch auf internationaler Bühne spielen“, sagte er und fügte hinzu, dass die Erfahrung ihn gelehrt habe, solche Chancen nie als selbstverständlich zu betrachten.

Irlands unmittelbarer Fokus liegt auf dem Freundschaftsspiel gegen Katar, einem nützlichen Test nach der Enttäuschung des verpassten WM-Turniers. Dann folgt die Reise nach Montreal zu einem Spiel gegen Kanada, Co-Gastgeber des Turniers 2026. Diese Spiele bieten Trainer Keith Andrews Gelegenheit zum Experimentieren, doch die Gespräche um die Israel-Spiele werden das Lager unweigerlich dominieren. Collins' Präzedenzfall – dass Spieler nicht unter Druck gesetzt werden – könnte diejenigen mit starken Gefühlen ermutigen, in den kommenden Monaten ihre Stimme zu erheben.

Mit dem Näherrücken der Septembertermine wird der FAI zunehmendem Druck von Aktivisten und vielleicht sogar von Seiten der Regierung ausgesetzt sein, die Spiele zu überdenken. Doch der disziplinarische Rahmen der UEFA lässt wenig Raum für politische Boykotte. Ein Rückzug könnte dazu führen, dass Irland die Spiele verliert und mit hohen Geldstrafen oder einem Verbot für zukünftige Wettbewerbe belegt wird. Collins' Vertrauen in die Hierarchie ist pragmatisch, aber die Spannung zwischen sportlichen Regeln und Menschenrechtsanliegen wird wohl nicht leise verschwinden.

Die Haltung des Kapitäns unterstreicht auch ein breiteres Dilemma, dem sich Sportler weltweit gegenübersehen: ob sie ihre Plattform für Proteste nutzen sollen, selbst auf die Gefahr ihrer Karriere hin. In diesem Fall hat der FAI die Entscheidung im Wesentlichen an seine Spieler weitergegeben, wodurch der Verband direkter Schuld entgeht, aber die Einzelnen persönliche Ethik gegen Wettbewerbsehrgeiz abwägen müssen. Wie sich das in der Kabine auswirken wird, bleibt abzuwarten, aber Collins' Äußerungen deuten auf ein unterstützendes Umfeld für jede abweichende Stimme hin.

Letztlich muss der irische Kader eine saisonentscheidende Phase mit Disziplin und Einfühlungsvermögen meistern. Die Nations League bietet einen Weg zurück zur Anerkennung nach dem knapp verpassten WM-Ticket, aber die moralischen Fragen rund um die Israel-Spiele werden den Teamzusammenhalt wie nie zuvor auf die Probe stellen. Für Collins ist es eine Führungsprüfung, der er mit Transparenz und Gelassenheit zu begegnen scheint.

Basierend auf einem Bericht von BBC Sport.