Motherwell hat sich zu einem unerwarteten Meisterschaftsmacher im schottischen Premiership-Titelrennen entwickelt, wobei die mutigen Taktiken von Trainer Jens Berthel Askou mit den europäischen Überfliegern Bodo/Glimt verglichen werden. Der Verein aus Lanarkshire, der von den Fans durch die Well Society besessen wird, steht nach einer bemerkenswerten Saison, in der sie zum ersten Mal seit über zwei Jahrzehnten beide Old Firm Clubs besiegten, kurz vor der Qualifikation für den europäischen Wettbewerb.
Askou, ein 43-jähriger dänischer Trainer, der im letzten Juni das Amt übernahm, hat einen ballbesitzorientierten, hochintensiven Stil eingeführt, der in einer Serie von 20 Spielen 14 Spiele ohne Gegentor und einen atemberaubenden 3:2-Sieg im Ibrox brachte. Dieser Sieg war das erste Mal, dass Motherwell seit den frühen 2000ern in derselben Saison sowohl Rangers als auch Celtic besiegte, und festigte ihren Ruf als Titelkiller.
Die Reise des ehemaligen Verteidigers von Norwich und Millwall zum Fir Park ist alles andere als konventionell. Askou, der als Spieler eher für seinen Einsatz als für natürliches Talent bekannt war, sammelte erste Erfahrungen im dänischen Fußball, führte Horsens zum Aufstieg und gewann später auf den Färöer-Inseln mit HB Torshavn das Double aus Liga und Pokal. Sein akribischer Ansatz – einst sah man ihn am ersten Tag in Horsens Müll aufsammeln – hat sich in ein diszipliniertes, anpassungsfähiges taktisches System übersetzt.
Zentral für den Erfolg von Motherwell ist Askous Bereitschaft, zu experimentieren. Er hat Formationen von 4-2-4 bis 3-4-3 eingesetzt und die Gegner oft überrumpelt. Im November wechselte er speziell zu einer Dreierkette, um Hibernian-Verteidiger Grant Hanley zu entblößen, was zu einem Elfmeter und einer Roten Karte führte. Gegen Celtic, als Toptorjäger Tawanda Maswanhise beim Afrika-Cup war und die Abwehr aus drei Rechtsverteidigern und einem Flügelspieler bestand, lieferte Motherwell eine 2:0-Masterclass ab, die Experten als beispiellos für einen Nicht-Old-Firm-Verein bezeichneten.
Askous Fähigkeit, Spieler zu verbessern, ist offensichtlich. Er hat dazu beigetragen, Mittelfeldspieler Lennon Miller zu einem vereinsrekordverdächtigen Verkauf an Udinese zu machen, ein Deal, der den von ihm hinzugefügten Wert unterstreicht. Der Fokus des Dänen auf Konstanz und die Nutzung von Vorteilen gegen reichere Gegner hat Motherwell zu einem Albtraum für Gegner gemacht, besonders im Fir Park, wo sie in 16 Monaten nur zweimal verloren haben.
Das anstehende Spiel gegen den Tabellenführer Hearts am Samstag, den 9. Mai 2025, um 20:00 BST könnte entscheidend sein. Da Motherwell innerhalb von fünf Tagen Hearts und dann Celtic empfängt, könnte das Ergebnis den Verbleib der Premiership-Trophäe entscheiden. Derek McInnes gab zu, dass seine Hearts-Mannschaft in allen drei Begegnungen dieser Saison "hätte geschlagen werden können", was die Bedrohung durch Motherwell unterstreicht.
Trotz eines jüngsten Formtiefs bleibt Askous Team im Rennen um den europäischen Fußball, ein Zeugnis ihrer Widerstandsfähigkeit. Die eigene Karriere des Trainers war ein linearer Aufstieg, wobei jede Station – Horsens, Vendsyssel, HB Torshavn, IFK Göteborg, Sparta Prag – seinen Ruf stärkte. Selbst ein kurzer Aufenthalt bei Sparta, wo Tomas Rosicky defensive Probleme anführte, erscheint heute ironisch angesichts der rekordverdächtigen Spiele ohne Gegentor von Motherwell.
Askous Einfluss geht über Taktiken hinaus. Der ehemalige Spieler Mikkel Frankoch erinnert sich, dass er aus dem Kader gefallen war, aber inspiriert wurde, sein bestes Fußball zu spielen. „Er hat ein gutes Verständnis dafür, wer spielen sollte und warum", sagt Frankoch. „Er bringt Spieler dazu, die besten Versionen ihrer selbst zu zeigen." Dieses Personalmanagement war entscheidend für Motherwells bemerkenswerten Aufstieg.
Während die Saison ihrem Höhepunkt entgegengeht, verkörpert Askous Motherwell den Geist von Bodo/Glimt – ein kleiner Verein, der durch Innovation und Glauben weit über sein Gewicht kämpft. Ob sie den europäischen Fußball sichern oder den Titel entscheiden, ihre Geschichte ist bereits eine der fesselndsten im schottischen Fußball.
Basierend auf Berichterstattung von BBC Sport.